Fernlehrgang und Fernstudium

Fernlehrgänge und Fernunterricht stehen bei den personalverantwortlichen Führungskräften deutscher Unternehmen ganz hoch im Kurs, wie eine repräsentative Studie von forsa und der Euro-FH im Januar 2007 ergab. Gut 80 Prozent der Personalchefs größerer deutscher Unternehmen bewerteten das Absolvieren von Fernschulen für mindestens gleichwertig zu einem Präsenzstudium, sehen jedoch vor allem die persönliche Motivation und Zielstrebigkeit besonders hoch an.

Gerade weil die meisten Fernkurse nebenberuflich absolviert werden, sind es vor allem die Fähigkeit zum Zeitmanagement, das Organisationstalent sowie die besondere Selbständigkeit und Flexibilität, die in deutschen Unternehmen hoch angesehen sind. Nach Aussage der überwiegenden Anzahl von personalverantwortlichen Führungskräften zeugt ein erfolgreich absolviertes Fernstudium von besonderen charakterlichen und persönlichen Stärken, die im Berufsleben sehr gefragt sind.

Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen einem Fernstudium und dem Fernunterricht: ein Fernstudium hat, genau wie eine Universität, das Ziel der Erlangung eines akademischen Grades wie zum Beispiel ein Diplom oder die Titel Bachelor oder Master. Der Fernunterricht deckt jedoch einen weit breiten Rahmen zu verschiedensten Themen ab: hier können Schulabschlüsse nachgeholt werden (wie zum Beispiel das Fernabitur), aber auch Berufsabschlüsse sowie besondere berufliche Qualifikationen und Spezialisierungen.

Im Bereich der Fernstudien war die FernUniversität Hagen nach ihrer Gründung 1974 lange Zeit der einzige große Anbieter und erhielt durch einen Staatsvertrag zwischen den einzelnen Bundesländern einen gesamtstaatlichen Lehrauftrag. Heute gibt es jedoch noch weitere private Anbieter mit staatlicher Anerkennung, die solche Fernkurse anbieten: zum Beispiel die AKAD-Privathochschule, die Private Fern-Fachhochschule Darmstadt, die Private Fachhochschule Göttingen, die Private FernFachHochschule Sachsen, die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) und auch die größte deutsche private Hochschule HFH Hamburger Fern-Hochschulemit, die mehr als 6.000 Studenten betreut.

Das traditionelle Fernstudium hatte wegen des Zeitmangels der meist berufstätigen Studenten und seiner Anonymität eine hohe Abbruchquote. Deshalb wird in letzter Zeit häufig E-Learning zum Studium eingesetzt, ein spezieller Lernraum im Internet, verbunden mit Prüfungs- und Präsenzphasen an einer Hochschule.

Der Fernunterricht zur Erlangung von Schul- oder Berufsabschlüssen ist seit 1977 ein verbraucherschutzrechtlich eindeutig definierter Begriff und wird sowohl inhaltlich als auch von den Rahmenbedingungen im Fernunterrichtsgesetzt (FernUSG) geschützt. Zwar sind beim Fernunterricht die lehrenden und die lernende Person räumlich voneinander getrennt, jedoch werden die Lernerfolge durch Zwischenprüfungen überwacht und durch Präsenzseminare ergänzt.

Fernlehrgänge unterliegen einer Zulassungspflicht, die von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) mit Sitz in Köln überwacht wird. Von der ZFU wird an seriöse Fernschulen eine Zulassungsnummer vergeben, die sowohl den Praxisbezug und die Didaktik also auch die Qualität der pädagogischen Betreuung und der Lernkontrollen bescheinigt. Außerdem werden mit diesem zentralen Prüfsiegel nur Fernkurse ausgezeichnet, die sowohl bezüglich des Werbeverhaltens als auch bei der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen nach Vertragsabschluss als seriös gelten können.