Gedächtnistraining: Fotografisches und inhaltliches Gedächtnis

Eigentlich sollte man denken, dass es Lernstrategien gibt, die sich bei allen Menschen gleichermaßen gut funktionieren. Schließlich gelangen doch bei jedem die Informationen zuerst ins Kurzzeitgedächtnis und werden dort „sortiert“ und die wichtigen Dinge ins Langzeitgedächtnis „umgelagert“. Aber ganz so einheitlich ist es dann aber nicht. Die Unterschiede bei der Merkfähigkeit des Menschen ergeben sich in der Hauptsache daraus, wie er die Informationen begreift.

Das „fotografische“ Gedächtnis

Es gibt Menschen, die sehen ein Bild und können noch Tage danach sämtliche Einzelheiten daraus wiedergeben. Oftmals sind das diejenigen, die später als Journalisten arbeiten. Sie werden darauf trainiert, sich nicht auf Einzelheiten zu konzentrieren, sondern sie erfassen den Gesamteindruck. Sie werden auch Gedichte nicht Zeile für Zeile lernen. Sie prägen sich das Bild ein, wie der Text in einem Buch abgedruckt ist.

Das „inhaltliche“ Gedächtnis

Eine zweite Gruppe von Menschen erfasst zuerst den Inhalt, der in einem Text oder einem Gedicht wiedergegeben wurde. Sie merken sich eigentlich nur die wichtigsten Stichworte und sind in der Lage, den Text oder das Gedicht daraus neu entwickeln zu können. Diese Art des Gedächtnistrainings findet man häufig bei Wissenschaftlern, bei denen es darum geht, einzelne Fakten behalten zu müssen. Diese Vorgehensweise ist auch bei Menschen zu finden, die im Alltag durch besonders rationales und wenig emotional gefärbtes Verhalten auffallen.

Nebeneffekte beim Einprägen ausnutzen

Im Gedächtnis des Menschen werden nicht nur Inhalte und Bilder hinterlegt. Auch alles, was darum herum geschieht, wird mit abgespeichert. Das können Geräusche und Gerüche, aber auch die damit verbundenen Emotionen sein. Wie effektiv diese komplexe „Ablage“ ist, zeigt sich im negativen Sinne bei Menschen mit Phobien. Hier kann schon ein Knall oder ein Geruch eine ganze Kaskade an körperlichen Reaktionen hervor rufen.

Das kann auch als „technisches“ Hilfsmittel zum Einprägen von Informationen genutzt werden. So gibt es positive Erfahrungsberichte darüber, dass sich Gedichte leichter lernen lassen, wenn man sie mit geeigneter instrumentaler Musik hinterlegt. Der Verlauf der Musik wird mit den Zeilen des Gedichts gekoppelt und selbst, wenn einem einmal ein paar Worte fehlen sollten, fallen einem die nächsten wieder ein, wenn man die regelmäßig dazu gehörten Klänge hört.

Auch das Visualisieren der zu lernenden Inhalte ist eine gute Möglichkeit, sich Fakten und Zahlen binnen kurzer Zeit merken zu können. Gedächtniskünstler denken sich dazu gezielt kleine Geschichten aus, die mit verschiedenen Stationen bestückt sind. Jede einzelne Station wird mit einem bestimmten Fakt verbunden.